Hebelwirkung, Margin Call und Nachschusspflicht

Die Hebelwirkung

Die Hebelwirkung ist wohl einer der reizvollsten Aspekte im Handel mit CFDs. Da nur ein minimaler Teil des am Markt bewegten Geldes als Eigenkapital auf dem Handelskonto sein muss, sind sogar Hebelwirkungen bis zu einem Faktor von 200 zu 1 durchaus möglich.

CFD und HebelgeschäfteSeit Jahrzehnten wird das Margin -Prinzip an den Terminmärkten angewandt. Es ist also keine Erfindung des CFD-Handels. Zwar ermöglicht die Eröffnung einer Position das Partizipieren am jeweiligen Underlying, jedoch unterscheidet sie sich vom Wertpapierkauf. Grundsätzlich kaufen Anleger nichts, sondern schließen einen Vertrag mit ihrem CFD-Broker ab, der wiederum eine Sicherheitsleistung (Margin) verlangt. Hiermit wird sichergestellt, dass Anleger seinen Verpflichtungen aus dem Vertrag auch bei einer nachteiligen Marktentwicklung, also im Falle des Verlustes, auch nachkommen kann.

Unterschieden wird zwischen der Initial Margin und der Maintenance Margin. Angenommen ein Anleger platziert eine Long-Position im DAX-CFD und der Broker legt einen Kontraktwert von 2 Euro pro Indexpunkt fest. Dabei notiert der Index bei 10.000 Punkten. Der Gegenwert eines Kontraktes beträgt somit 10.000 Euro.

Sollte der DAX um einen Punkt steigen, besitzt der Anleger gegenüber dem Broker einen Differenzausgleichsanspruch von 1 Euro. Fällt hingegen der Kurs, hat der Broker einen Differenzausgleichsanspruch in selbiger Höhe gegen den Anleger. Die Abrechnung erfolgt bei Schließung der Position. Als Sicherheitsleistung legt der Broker eine Initial Margin fest, die beispielsweise 2 Prozent bzw. 200 Euro für jeden DAX-CFD beträgt. Hierdurch kann sich der Broker sicher sein, dass der Anleger zahlungsfähig ist, solange der DAX-Kurs 9800 Punkte nicht unterschreitet. Um Ausfallrisiken bzw. einen Verlust zu vermeiden, der über das eingesetzte Kapital hinausgeht, könnte der Broker die Position bei einem Kurs von 9800 glattstellen. Jedoch setzen in der Praxis Sicherheitsmechanismen wesentlich früher an.

Welcher Prozentsatz für die Positionseröffnung notwendig ist, gibt die Initial Margin an. Hingegen gibt die Maintenance Margin den Prozentsatz an, der nicht unterschritten werden darf, damit eine ausgeführte Position bestehen bleibt. In obigem Beispiel läge die Maintenance Margin bei 30 Prozent der Initial Margin.

Sollte der DAX wie oben im Beispiel um 140 Punkte fallen, wird der Broker entweder die Position glattstellen oder zusätzliches Kapital vom Anleger fordern, falls sich das benötige Kapital nicht auf dem Handelskonto des Anlegers befindet. Das Guthaben auf dem Handelskonto wird dann von „freies Kapital“ zu „Margin“ entsprechend umgebucht, damit die Margin-Anforderung weiterhin erfüllt ist. Sollte eine Position nicht mit einem Stop-Loss ausgeführt worden sein und liegt auf dem Handelskonto eine größere Kapitalsumme, so kann diese schlimmstenfalls vollständig aufgebraucht werden, ohne dass der Anleger darüber rechtzeitig informiert wurde.

Der Einfachheit halber setzen Broker eine Initial Margin und eine Maintenance ein, denn wenn nur die Bedingung der Initial Margin definiert wäre, würde es ständig zu Glattstellungen oder Nachschussforderungen kommen, da die vielen Anleger des Brokers gegenläufige Positionen traden und eine Seite immer verlieren wird.

Margin Call und Nachschusspflicht

Wie schon zuvor erwähnt, bergen CFDs das Risiko, dass der Verlust über das eingesetzte Kapital hinausgehen kann. Aus diesem Grund wird im Folgenden noch einmal ein Beispiel herangezogen, um das Risiko zu verdeutlichen.

Ein Anleger eröffnet eine Long-Position in einem DAX-CFD. Der Marktwert beträgt 10.000 Euro und der DAX steht bei 8000 Punkten. Vom Broker wird eine 2-prozentige Initial Margin verlangt, was 200 Euro entspricht. Die vom Anleger eingezahlten 200 Euro werden vom Broker geblockt und es steht kein weiteres Kapital mehr auf dem Handelskonto zur Verfügung.

Ein Stop-Loss wird vom Anleger bei 7920 Punkten gesetzt und die Maintenance Margin beträgt 0,50 Prozent. Wird die Marke von 7880 unterschritten, wird das sogenannte Closeout-Leven erreicht. Die Position wird automatisch glattgestellt.

Der DAX schließt unverändert bei 8000 Punkten und der Anleger behält die Position übers Wochenende. Nun kommt es am Wochenende zu einem unerwarteten politischen Ereignis, woraufhin der DAX montagsmorgens bei 7200 Punkten eröffnet. Der vom Anleger festgesetzte Stop-Loss wird sofort ausgelöst und der Verkauf erfolgt bei 7200 Punkten.

Keine Nachschusspflicht mehr - Bafin verbotÜber das Wochenende konnten die Sicherheitssysteme des Brokers nicht greifen, sodass es auch zu keiner Glattstellung kommen kann. Dabei entspricht der Kursverlust von 800 Punkten einem Verlust von 10 Prozent des Positionswertes, also 1.000 Euro. Wird jetzt die hinterlegte Margin von 200 Euro abgezogen, bleibt ein Verlust von 800 Euro auf dem Konto des Anlegers. Jetzt fordert der Broker den Anleger auf, das Handelskonto sofort auszugleichen.

Dieses Risiko müssen Anleger immer einkalkulieren. Einige Broker bieten aber ihren Anlegern eine Schutzmöglichkeit an. So kann ein Broker negative Kontostände rechtsverbindlich ausschließen, was in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Brokers definiert wird. Zudem können Broker ihren Anlegern auch garantierte Stop-Loss-Orders anbieten, sodass die Order bei Kurslücken (wie im obigen Beispiel) auf einem festgelegten Stop-Loss-Niveau glattgestellt wird. Zwar kommt der Broker für mögliche Verluste auf, meist verlangt er hierfür aber eine Versicherungsprämie bzw. eine zusätzliche Gebühr.

Auswahl des Hebels

HebelWie schon erklärt, muss beim Broker eine Margin hinterlegt werden, um eine Position eröffnen zu können. Wenn der Broker zum Beispiel eine Margin von 5 Prozent verlangt, könnte ein Anleger mit 1.000 Euro auf seinem Handelskonto das Underlying mit dem Gegenwert von 20.000 Euro handeln. Somit muss der Anleger lediglich 1.000 Euro auf seinem Konto hinterlegen. Das entspricht einem Hebel von 20, denn 1.000 Euro mal 20 ergeben 20.000 Euro. Der Hebel kann aber zum Beispiel von 20 auf 20 heruntergesetzt werden, sodass die Margin nur noch 10 Prozent betragen würde. Wenn der Anleger einen Gegenwert von 20.000 Euro bewegen möchte, müsste er hingegen 2.000 Euro als Margin hinterlegen.

Gewinn oder Verlust bleiben nominell gesehen aber gleich, und zwar unabhängig davon, wie hoch Margin und Hebel eingestellt werden. Zum Beispiel beträgt eine DAX-Bewegung pro Punkt immer 1 Euro pro Kontrakt. Aus diesem Grund sollte niemals der höchste Hebel bzw. die niedrigste Sicherheitsleistung gewählt werden, da dies dazu verleitet, zu viele CFDs zu handeln. Sollte sich der Markt nicht in die gewünschte Richtung bewegen, kommt es zu einem schnellen Totalverlust.

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