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Grundlagenwissen: Die Rolle der Zentralbanken

Das Forex-Trading ist das Kaufen einer bestimmten Währung sowie das simultane Verkaufen einer anderen bestimmten Währung, weshalb hier von Forex-Devisenpaaren gesprochen wird (z. B. EUR/USD oder EUR/CHF). Dabei sind für Trader die Majors (Hauptwährungspaare) wie USD, EUR, JPY, GBP, CAD, AUD und CHF am interessantesten, denn schließlich finden über 80 Prozent der weltweiten Transaktionen auf diesen Devisenpaaren statt. Dabei hängt der Wert einer Devise von vielen verschiedenen Faktoren ab. Hierzu zählen vor allem die Geldmarktpolitik der Zentralbanken sowie die Stärke einer Wirtschaft.

people bank of chinaDie Zentralbanken sind die Quelle der Währungen, weshalb sie auch einen so großen Einfluss auf das Finanzmarktgeschehen und insbesondere am Devisenmarkt besitzen. Aus diesem Grund sollten Trader immer das Verhalten der Zentralbanken mit großer Aufmerksamkeit folgen. Dabei sind die Notenbank-Sitzungen sowie die im Anschluss stattfindenden Pressekonferenzen immer besonders wichtig, denn die Einschätzungen der Zentralbanken zu verschiedenen Entwicklungen wie Wachstum oder Konjunktur haben einen entscheidenden Einfluss auf die Währungskurse.

In der Regel kündigen Notenbanken etwaige Änderungen in ihrer Geldpolitik verklausuliert an, damit die Märkte nicht unnötig unter Stress gesetzt werden. Dabei gilt eine restriktive Geldpolitik als bullish für Währungen und eine expansive Geldpolitik als bearish. Eine lockere Geldpolitik wird hingegen als „quantitative easing“ bezeichnet. Ziel dieser Politik ist die Abwertung der heimischen Währung, um den Export anzukurbeln.

Über den Leitzins können Zentralbanken das Zinsniveau am Geldmarkt steuern, wobei das Zinsniveau wiederum maßgeblich für die Rendite ist, die sich mit einer Anlage erwirtschaften lässt. Die Nachfrage nach einer Währung ist desto höher, je höher die Renditen in der Relation zu den anderen Währungen sind. Aus diesem Grund kann die Anhebung der Leitzinsen zu einem steigenden Wechselkurs führen.

Forex-Trader sollten vor allem die Aktivitäten der folgenden Zentralbanken im Auge behalten:

U.S. Federal Reserve System (The Fed)

Bild Logo der FED USADie U.S. Federal Reserve ist weltweit die wichtigste Zentralbank, da der US-Dollar in rund 90 Prozent aller Währungstransaktionen mit einbezogen ist. Im Federal Reserve Act werden die Ziele der Geldmarktpolitik festgehalten. Hierzu gehören unter anderem stabile Preise, moderate Langfristzinsen und ein Höchstgrad an Beschäftigung. Gerade letztgenanntes Ziel bedeutet für Trader, dass sie der Veröffentlichung der Arbeitslosenquote in den USA größte Aufmerksamkeit schenken sollten. Weitere wichtige Indikatoren sind:

  • Consumer Price Index (CPI): Veröffentlichung der Zahlen zum Verbraucherpreisindex
  • Durable Goods Orders: Veröffentlichung der Zahlen über die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter
  • Gross Domestic Product (GDP): Veröffentlichung der Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt
  • Unemployment Rate: Veröffentlichung der Arbeitslosenquote
  • Retail Sales: Veröffentlichung der Zahlen zum Einzelhandelsumsatz

Europäische Zentralbank (EZB)

Frankfurt Standort der EZBDie EZB wurde im Jahr 1998 gegründet und ist die Zentralbank der Europäischen Währungsunion. Im Jahr 1992 wurden erstmals die Aufgaben, Arbeiten und Ziele der EZB im Vertrag von Maastricht festgelegt, wobei das wichtigste Ziel die Unterstützung der Wirtschaftspolitik ist, ohne dass die Preisstabilität beeinflusst wird. Demzufolge achtet die EZB sehr darauf, dass die Kursschwankungen des Euro eher moderat bleiben. Zu den wichtigsten Indikatoren gehören:

  • ZEW-Index: Veröffentlichung der Sitzungsergebnisse der EZB
  • Einkaufsmanagerindex: Veröffentlichung der Zahlen des verarbeitenden Gewerbes
  • deutscher ifo-Geschäftsklimaindex

Bank of England (BoE)

Die Bank of England originalDie BoE ist die Zentralbank des Vereinigten Königreichs Großbritannien sowie auch Nordirlands mit Sitz in London, wobei sie nach der Gründung im Jahr 1694 lange Zeit unabhängig agierte. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie nationalisiert und im Jahr 1997 wurde sie durch die Regulierung der Financial Service Authority (FSA) wieder unabhängig. Nachdem beschlossen wurde, dass der Euro in Großbritannien und Nordirland nicht eingeführt wird, blieb die Geldpolitik sehr viel flexibler. Dabei nimmt die BoE alle Funktionen einer Zentralbank wahr, umso die Preisstabilität entsprechend zu sichern. Zusätzlich unterstützt sie die Wirtschaftspolitik der Regierung und überwacht die Beschäftigungs- und Wachstumsziele. Festgelegt wurde dies im Bank of England Act 1998. Wichtige Indikatoren sind:

  • monatliche Veröffentlichung der Sitzungsprotokolle des geldpolitischen Rates
  • CPI: Veröffentlichung der Zahlen zu den Verbraucherpreisen
  • Inflation Report: vierteljährliche Veröffentlichung des Inflationsberichts
  • Retail Sales: Veröffentlichung der Zahlen zum Einzelhandelsumsatz
  • Index of Production: Veröffentlich der Zahlen zur Industrieproduktion
  • Labour Market Statistics: Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten
  • CIPS: Veröffentlichung der Zahlen zum Einkaufsmanagerindex

Bank of Japan (BOJ)

Logo der BoEDie japanische Zentralbank Nippon Ginko of Bank wurde im Jahr 1982 aus verschiedenen Wechselgesellschaften gegründet und wurde seither des Öfteren reorganisiert. Hauptaufgabe der Bank ist es, die Noten auszugeben. Im Jahr 1871 wurde der japanische Yen mit dem Shinka-jorei (New Currency Act) als einheitliche Währung etabliert, denn davor hatte noch jedes einzelne Gebiet eine andere Währung. Ziel der BOJ ist es, für die Preisstabilität zu sorgen und die Entwicklung der Gesamtwirtschaft positiv zu beeinflussen. Zu den wichtigsten Indikatoren gehören:

  • monatliche Veröffentlichung der Sitzungsergebnisse der BOJ
  • vierteljährliche Veröffentlichung des Tankan-Reports
  • Veröffentlichung der Leistungsbilanz

Zeitzonen und Handelsvolumen

Der Forex-Markt ist fünf Tage die Woche 24 Stunden geöffnet, sodass Trader keine Öffnungszeiten beachten müssen. Jedoch empfiehlt es sich nur zu handeln, wenn das Volumen des Forex-Marktes am größten ist. Das ist zwischen 14.00 und 16.30 Uhr der Fall.

Interventionen am Devisenmarkt

In der Regel sind Änderungen der Leitzinssätze mit wirtschaftlichen Fragen verbunden, wie zum Beispiel: Wachsen die Arbeitslosenzahlen oder lahmt die Konjunktur? Hier neigen die Zentralbanken dazu, die Zinssätze zu senken, um die Investitionen für Unternehmen und Verbraucher billiger zu machen.

Viel wichtiger ist aber für Forex-Trader ein weiteres Betätigungsfeld der Zentralbanken, nämlich die direkte Intervention am Forex-Markt. Sollte die heimische Währung abstürzen, können Zentralbanken ihre Fremdwährungsreserven nehmen und diese gegen die eigene Währung kaufen, wodurch das Angebot der heimischen Währung am Markt erhöht wird. Gleichzeitig wird natürlich auch das Angebot der Fremdwährung erhöht. Hiermit wird unter anderem dem Kapitalabfluss aus der eigenen Wirtschaft entgegengetreten. Wenn die Zentralbank hingegen die heimische Währung schwächen möchte, so wird sie frisches Geld produzieren und damit fremde Währungen kaufen. Somit wird das Angebot der heimischen Währung ausgeweitet und das der Fremdwährung verringert. Dabei kann sich die Aufwertung der heimischen Währung durchaus negativ auf die Exportwirtschaft auswirken.

Bedeutung des Leitzinses

Wenn die EZB beispielsweise den Leitzins von zwei auf ein Prozent senkt und die anderen Zentralbanken ihren Leitzins aber bei zwei Prozent belassen, so würden der Kreditzins für Banken sowie auch der Anlagezinssatz für Investoren sinken. Demzufolge werden Geldanlagen in der Eurozone schlechter verzinst als in anderen Ländern.

Generell haben Geschäftsbanken immer zwei Möglichkeiten, um sich Geld zu beschaffen. Entweder nehmen sie einen Kredit bei der Zentralbank auf oder Anlegern Zinsen für ihre Geldanlagen bieten (z. B. Tagesgeld). Sollten die Kredite bei der Zentralbank günstiger werden, so lohnt es sich für die Geschäftsbanken nicht, ihren Anlegern gute Zinsen zu zahlen und senken deshalb die Zinsen für Geldanlagen. Gleichzeitig sinken auch die Zinsen am Anleihemarkt. Infolge dessen ziehen Investoren und Anleger ihre Gelder aus der Eurozone und versuchen, diese in einem anderen Währungsraum besser anzulegen. Das hat wiederum Auswirkungen auf den Forex-Markt und der Wechselkurs des Euro sinkt.


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